In eigner Sache
In diesem Teil der homepage werden wir uns in regelmäßigen Abständen zu Dingen die uns & unsere Band betreffen äußern. Immer wieder machen Mißverständnisse, Gerüchte & Geschichten die Runde. Hier schreiben wir über diese Sachen!

Noch im Anfangsstadium passiert hier (noch) nicht viel, in den nächsten Tagen kommt mehr dazu. Wird sicher spannend werden!

So wie es aussieht, konnten wir mit dem Text „Über uns“, den Ihr seit ein paar Wochen auf unserer Homepage findet, doch nicht alle Fragen zur Haltung von Stomper 98 klären. Da wir alle keinen Bock mehr auf Missverständnisse haben und in eine Ecke gedrängt zu werden, in die wir nicht gehören, wollen wir an dieser Stelle ein bis zwei Sachen klarstellen...

Erstmal grundsätzlich: Alles was wir in unserem Statement geschrieben haben bleibt so stehen und wird auch von uns als Meßlatte gesehen. Wir nehmen diese Fragen sehr ernst und darum werden wir natürlich auch weiterhin unsere Sicht der Dinge vertreten und zum Ausdruck bringen.

Wir haben das Gefühl, dass unsere Identität als Skinhead-Band komplett falsch verstanden wird. Diese Identität und der Hintergrund unserer Band sind auf der Straße, in den Wurzeln der Skinheadbewegung festgelegt. Das bedeutet aber nicht, dass wir einfach jeden Scheiss tolerieren, nur weil das angeblich zum „Skinheadsein“ dazugehört. In erster Linie sind wir sechs Individuen, die ihre eigene Meinung haben und niemandem Rechenschaft darüber schuldig sind. Erst recht nicht Leuten, die sich den größten Rassisten- und Nazischeiß reinziehen und das auch noch als den „wahren Skinheadweg“ verkaufen wollen. Wir sind nicht „Grauzone“ und werden das auch niemals sein. Dagegen kämpfen wir an!

Die Ausdrucksweise und Ausdrucksform unserer Musik ist sicherlich nicht jedem geläufig und verständlich. Das ist auch so gewollt. Provokation, Rebellion, Tradition, Gesellschaftskritik usw. sind wesentlicher Bestandteil in den Texten und dem Lebensstil der Skinheadszene. Dass wir damit anecken wissen wir. Das ist natürlicher Bestandteil dieser Szene.

Auf unserer Jubiläumsplatte „Tage Deiner Jugend“ beschäftigen wir uns stark mit dem Hintergrund unserer Band, der Szene und unserer eigenen Sicht auf den „Way of Life“. In dem Song „Viel zu viele“ heißt es: „Die Ketten die wir sprengen, ja die

legten wir uns selber an und so könnt Ihr sicher sein, dass man sich davon

auch befreien kann“. Ja, wir haben in der Vergangenheit Sachen gemacht, die wir heute nicht mehr machen würden. Unser Werdegang, unsere Geschichte haben uns als Band geprägt, trotzdem verändert man sich natürlich über die Jahre.

Wir haben z.B. auf unserer Split-7“ mit Haircut aus Frankreich 2003 einen Song der Evilskins gecovert. Zu dem Zeitpunkt, als wir den Song machten wussten wir einfach nicht, was für Texte diese Band hat. Keiner in der Band sprach damals französisch.

Wir hätten die Band nie gecovert, wenn wir gewusst hätten, dass in anderen Texten der Band „Menschen vergast werden sollen“, weil das ganz einfach nicht mit unserer Haltung zusammengeht. Grund genug für uns zu sagen, dass wir auf solchen Dreck keinen Bock haben und auch nicht auf Leute, die so was ernsthaft für „Skinhead“ halten.

Das Label Bords de Seine, bei dem die 7“ erschienen ist, und auch die Band Haircut haben sich uns nie als rassistisch oder als Nazis gezeigt bzw. geäußert.

Ein weiteres Beispiel ist unsere Combat84-Coverversion „Päderast“. Wir haben als Band nie einen Hehl aus unserer Abneigung gegen solche Taten wie Kindesmissbrauch, Vergewaltigungen sowie seelischer Gewalt gegen Schwache und Schutzbefohlene gemacht. Im Song „Päderast“ vermitteln wir Gefühle wie Angst, Wut, Ohnmacht und vollkommene Hilflosigkeit angesichts solcher Taten in unserer unmittelbaren Umgebung und in der Gesellschaft allgemein. Wir sind ausdrücklich GEGEN die Todesstrafe! „Knüpft den Bastardganz schnell auf“ und „Führt den Pranger wieder ein“ sind als Metaphern zu verstehen für das, was in einem vorgeht. In unserer Band haben wir mittlerweile(fast) 5-mal Nachwuchs und als junge Familienväter sind diese Dinge leider einfach Thema. Wir werden nicht, nur weil Nazibands versuchen populäre gesellschaftliche Probleme zu besetzen, solche Themen tabuisieren (wie z.B. auch Umweltschutz, Jugendförderung etc.). Die harte Ausdrucksweise ist ein Teil unserer Musik und wir versuchen der Gesellschaft einen Spiegel vorzuhalten. Es ist 2008 und wir wollen uns nicht an einem 10 Jahre alten Song, der aus einer persönlichen emotionalen Katastrophe heraus entstanden ist , messen lassen. Nicht weil das Thema für uns erledigt, sondern weil auch die Wortwahl schwer nachzuvollziehen ist haben wir uns entschlossen, den Song nicht mehr zu spielen.

Wir haben uns zu vielen Vorwürfen immer und immer wieder geäußert und werden das auch weiterhin tun. Der Kampf gegen einen Ruf als „Grauzonenband, die Grenzen aufweicht“ ist schwierig für uns, aber wir werden ihn weiterhin führen. Uns war als Hintergrund immer wichtig, NICHT in rechten Kreisen gemocht zu werden. Die Abgrenzung war da schon von Anfang an gegeben und wird immer Grundsatz von Stomper 98 bleiben.

Wir haben als Band eine Identität, an der wir festhalten!

STOMPER 98, November 2008

ÜBER UNS

Zu aller erst und grundsätzlich ist STOMPER 98 ganz einfach eine Skinhead-Rock´n´Roll-Band. Mit dieser Selbsteinschätzung verbinden wir, jeder einzelne von uns, dass wir uns als Teil einer Szene betrachten, die über die Grenzen von Ländern, Kontinenten, Staatszugehörigkeiten und Hautfarben ein Lebensgefühl, ein oft beschworener Way of Life verbindet.

Diese Tatsache beinhaltet die Grundeinstellung, dass Rassismus, Nationalismus und überhaupt jede Art von Diskriminierung das genaue Gegenteil von diesem, von unserem Way of Life darstellen.

UM ES KLAR ZU SAGEN: STOMPER 98 WAREN IMMER UND SIND EINE ANTIRASSISTISCHE BAND. Wir wollen keine Nazis und Rassisten auf unseren Konzerten, und wir wehren uns gegen den Vorwurf, eine „Grauzonenband“ zu sein. Wir sind schwarz, wir sind weiß, wir sind alles Mögliche, aber wir haben einen Standpunkt, und er ist definitiv nicht „grau“!

Dementsprechend verstehen wir uns selbst auch nicht als „unpolitische“ Band. Die Bezeichnung „unpolitisch“ mag eine Zeit lang nützlich gewesen sein, um sich bzw. die Szene vor Vereinnahmung durch extreme Ideologien zu schützen. Wir denken, dass die Skinhead-Szene das heute nicht mehr nötig hat. Wir haben von Anfang an versucht, politische und damit auch antirassistische Inhalte in unseren Texten und auf Konzerten rüber zu bringen. Das für uns untrennbar mit unserem Verständnis von Skinhead verbundene Bekenntnis zur Arbeiterklasse ist an sich schon politisch und widerspricht rechten Tendenzen.

Die Tatsache, dass wir fünf außerhalb unseres Skinhead-Daseins vollkommen unterschiedlich kulturelle Wurzeln haben, wirkt sich natürlich auf die Haltung der Band gegenüber anderen Kulturen aus. Unsere Musik hat uns die Möglichkeit gegeben, in viele unterschiedliche Länder zu reisen und dort die jeweilige Szene, aber eben auch die Kultur außerhalb kennen zu lernen. Wir haben bisher jeden Auslandsaufenthalt als Bereicherung erlebt. Eine Haltung, die aufgrund rassistischer Vorurteile und nationalistischer Blindheit nicht erkennen lässt, was für eine Bereicherung der Kontakt mit anderen Kulturen darstellt widerspricht allem, was den Skinhead-Kult für uns zur Richtschnur unseres Lebens macht.

In letzter Zeit, genau genommen seit April 2008, hat ein Foto im Internet und später auch in anderen Formen für eine Menge Wirbel um STOMPER 98 gesorgt. Auf dem Foto ist unser Sänger Sebi mit Jens B., dem Sänger der Band Endstufe zu sehen, und zwar nicht zufällig im Vorbeigehen, sondern „in Pose“. Entstanden ist das Foto am 12. April 2008 bei einem Konzert in der Nähe von Hildesheim, bei dem unter anderem Indecent Exposure und die 4Skins aus England aufgetreten sind und zwei Mitglieder von Stomper 98 zugegen waren.

Nun, es ist ziemlich schwierig jemandem außerhalb der Skinhead-Szene oder auch Skinheads, die jünger sind als wir zu erklären, wie dieses Foto entstehen konnte. Natürlich war uns in dem Moment, als das Bild mehr oder weniger öffentlich im Internet auftauchte klar, dass es uns als Band Vorwürfe einbringen wird. Wir sind nicht so blauäugig oder ignorant als dass wir nicht nachvollziehen könnten, wie dieses Foto auf jemanden wirken muss, der die Hintergründe seiner Entstehung nicht kennt.

Sebi stammt aus Delmenhorst in der Nähe von Bremen, wo Endstufe herkommen. Er ist Ende der achtziger Jahre Skinhead geworden, einem Zeitpunkt, zu dem die Szene vollkommen anders aussah als heute. Das auch heute noch gängige Klischee „Skins = rechts“ hatte zu diesem Zeitpunkt in Deutschland sicherlich noch eine größere Berechtigung. Darüber hinaus war die Szene um ein Vielfaches kleiner, sodass eine Fraktionierung, wie sie heute üblich ist, damals nicht gegeben war. Auf den wenigen Konzerten war eigentlich alles anzutreffen, was kurze Haare und schwere Schuhe trug.

Die regionale Nähe von Delmenhorst und Bremen sowie die Beschaffenheit und Überschaubarkeit der Szene damals sorgten dafür, dass Sebi und Jens B. sich kennenlernten und auch zusammen unterwegs waren.

Etwa drei Jahre später zog es Sebi dann nach Göttingen, was mit einer Loslösung von der rechten Skinhead-Szene einherging. Es war ein Zeitpunkt, zu dem viele diesen Schritt taten. Zum einen saß der Schock der Ereignisse von Mölln und Solingen bei vielen tief, zum anderen öffnete ein Revival der Ska-Musik vielen Skins die Augen über die Wurzeln des Kultes.

In Sebi´s Fall ging die Loslösung von der rechten Skinhead-Szene nicht reibungslos vonstatten. Er hatte mit massiven Anfeindungen und Drohungen zu kämpfen, zum Teil bis heute. Dementsprechend war sein Schritt ziemlich radikal, er brach die Kontakte zur Bremer/Delmenhorster Szene ab. Das bedeutet, dass er Jens B. seit 15 Jahren nicht mehr getroffen hat. Bis zu dem Konzert in Hildesheim.

Die Stimmung an dem Abend lässt sich schwer vermitteln. Für alle über 30-jährigen fühlte sich das Konzert im Grunde an wie eine Zeitreise in die eigene Jugend. Als dann sogar noch überraschend die 4Skins einige Songs zum Besten gaben, gab es kein Halten mehr. Jeder Skinhead wird nachvollziehen können was es bedeutet, Songs wie „Chaos“ oder „A.C.A.B.“ oder „Evil“ oder, oder, oder live und von Original-Bandmitgliedern zu hören.

Das war das Umfeld, in dem das Foto von Sebi und Jens B. im Pogo-Pit entstanden ist. Ein Schnappschuss in einer alles anderen als alltäglichen, sehr emotionalen Atmosphäre von zwei ehemals Bekannten, die sich seit 15 Jahren nicht gesehen hatten und die sich in den nächsten 15 Jahren höchstwahrscheinlich nicht wiedersehen werden. Fünf Sekunden aus 15 Jahren...

Wir wollen das nicht relativieren oder unter den Teppich kehren. Was wir wollen ist, dass dieses Foto als genau das angesehen wird, was es ist: ein Schnappschuss eben. Und nicht als das, was es ganz sicher eben NICHT ist: ein politisches oder subkulturelles Statement, das die Haltung der Band Endstufe in irgendeiner Weise mit der von STOMPER 98 verbindet.

Möglicherweise sind wir, im Nachhinein betrachtet, nicht offensiv genug mit dem besagten Bild umgegangen. Nichtsdestotrotz halten wir es mit der Band, die bei der Entstehung des Fotos im Hintergrund spielte: „We won’t say sorry to anyone!“

Wir haben hier unseren Standpunkt zu Rassisten und rückgratlosen „Unpolitischen“, die rechte Tendenzen tolerieren klargestellt. Wie eingangs erwähnt sehen wir uns jeder für sich und auch als Band in der Tradition der Ursprünge unseres Kultes: Voller Stolz aber ohne Vorurteile!

Wer damit nicht klarkommt hat nicht verstanden, was STOMPER 98 bedeuten.

In diesem Sinne, für die nächsten zehn Jahre. Oder vielmehr: Für die Ewigkeit!

STOMPER 98, Juli 2008